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Ausschreibung

Neobiota – Citizen Science
Beginn:01.12.2018 um 00:00
Ende:31.12.2019 um 23:59
Ort:Heimische Gewässer

Wissenschaftler bitten Taucher um Unterstützung

Eine Überschrift und zwei Fachwörter. Citizen Science kann man als „Bürgerwissenschaft“ übersetzen. Es handelt sich dabei um wissenschaftliche Projekte die unter Mithilfe von interessierten Laien durchgeführt werden. Neobiota (gebietsfremde Arten) sind Arten, die sich in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. Dies kann mit oder ohne menschlicher Einflussnahme geschehen. Neobiotische Pflanzen nennt man Neophyten, die Tiere heißen folglich Neozoen. Diese gebietsfremden Arten zeichnen sich häufig durch Ihre Anpassungsfähigkeit und hohe Fortpflanzungsrate aus. Deshalb können sie sich in Ihrem neuen Lebensraum unter Umständen auch sehr schnell ausbreiten. Im Falle einer dominanten Ausbreitung mit schädlichen Auswirkungen für die heimischen Arten spricht man von einer biologischen Invasion. Ein Großteil der Neobiota verursacht in der neuen Umgebung keinerlei Schäden und lebt unbemerkt unter uns oder verschwindet schnell wieder. Einige Arten wiederum bedrohen die heimische Artenvielfalt, verursachen wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe oder verbreiten Krankheiten.

Ein Expertennetzwerk entwickelt Konzepte zur Prävention vor der Einwanderung und zur Kontrolle bereits vorhandener Neobiota. Um einen Überblick über diese Problematik in den Gewässern zu erhalten, sind die Wissenschaftler auf die Erfahrung und Unterstützung durch uns Taucher angewiesen. Darum startet die VIT Umweltabteilung den Aufruf an alle Taucher sich an dieser Aktion zu beteiligen und den Fragebogen im Internet unter https://linmantis60.bsh.de/limesurvey/index.php/396939?lang=de auszufüllen.

Ein Beispiel für Neophyten ist die Kanadische Wasserpest (Elodea spec., siehe Titelbild). Diese Pflanze stammt aus Nordamerika und wurde 1859 aus dem Berliner Botanischen Garten in einem nahe gelegenen Gewässer angesiedelt. In nur 20 Jahren hat sie sich über ganz Mitteleuropa verbreitet. Es handelt sich nur um weibliche Pflanzen die sich durch ungeschlechtliche Vermehrung ausgebreitet haben. Aus einem abgerissenen Stück das verdriftet oder durch Vögel weiter getragen wird, kann wieder eine neue Pflanze entstehen. Bereits 1910 ist die Wasserpest in solchen Massen aufgetreten, dass an manchen Orten die Binnenschifffahrt behindert wurde. Anfang 1930 ist der Bestand wieder stark zurückgegangen. Mögliche Gründe hierfür sind natürliche Feinde wie ein Fadenwurm der den Vegetationskegel der Wasserpest befällt.

Die in unseren Seen häufig vorkommende Dreikantmuschel (Zebramuschel) ist eine Neozoe. Sie ist aus Asien im laufe des 19. Jahrhunderts eingewandert. Ihre Larven wurden unter anderem durch die Schifffahrt und Sportboote verbreitet. Eine positive Auswirkung dieser Art ist Ihre Filtrationsleistung – man könnte sagen sie reinigt das Gewässer. Negativ ist Ihr Massenauftreten. Das Bayrische Landesamt für Wasserwirtschaft hat hierzu Untersuchungen am Starnberger See durchgeführt, da die Dreikantmuschel auch auf unseren heimischen Muschelarten sitzt (siehe Foto).

Es stellte sich heraus das die von der Dreikantmuschel bewachsenen Großmuscheln verhungern, da Ihnen die Aufsitzenden Muscheln die Nahrung (Plankton Algen) quasi „vor der Nase“ wegschnappen.

Diese Beispiele zeigen deutlich wie wichtig eine Überwachung der Neobiota ist. Und wer könnte das in den Gewässern besser leisten als wir Taucher bei unseren regelmäßigen „Streifzügen“ durch die Unterwasserwelt. Deshalb hoffe ich, dass sich viele von Euch an dieser Aktion beteiligen.

Euer Umweltreferent Dipl.-Biol. Uwe Scherner

Coautorin: Dr. Dipl.-Biol. Nicole Heibeck